Starke ver.di – starke Pflege

    Ob im Betrieb, gegenüber der Politik oder in Europa – gewerkschaftlich organisierte Pflegekräfte setzen sich gemeinsam für gute Bedingungen ein.
    12.05.2023
    Tag der Pflegenden 2023
    © ver.di/werkzwei
    12.5. Tag der Pflegenden

    Wenn sich die beruflich Pflegenden gemeinsam für bessere Bedingungen einsetzen, können sie viel erreichen. Das zeigen zum Tag der Pflegenden, dem 12. Mai 2023, gewerkschaftlich organisierte Pflegekräfte aus unterschiedlichen Einrichtungen. Sie berichten darüber, wie sie mit ver.di Entlastung erkämpfen, betriebliche Interessenvertretungen gründen oder sich mit Kolleginnen und Kollegen international vernetzen. Ihre Botschaft: »Starke ver.di – starke Pflege«.

     

    Das wollen die ver.di-Aktiven auch den Gesundheitsministerinnen des Bundes und der Länder deutlich machen, die sich am 5. Juli in Friedrichshafen am Bodensee treffen. Pflegekräfte und andere Beschäftigte werden sich dort Gehör verschaffen und Tempo bei der angekündigten »Gesundheitsrevolution« einfordern. Alle Infos: gmk2023.verdi.de

     

    Nicole Meyer

    Nicole Meyer
    © Sigi Schritt
    Nicole Meyer

    Die Krankenschwester Nicole Meyer ist Betriebsratsvorsitzende der Seniorenresidenz-Gruppe in Bremen und Vorsitzende des Europäischen Betriebsrats bei Orpea.

    »Zwei Jahre lang hat unser Arbeitgeber versucht, uns als Interessenvertretung zum Aufgeben zu zwingen – mit Mobbing, Kündigungsversuchen bis hin zur Strafanzeige. Wir haben uns erfolgreich gewehrt. Das ging nur, weil wir untereinander so stark zusammengehalten haben. Und weil wir in der gesamten Zeit viel Solidarität und Unterstützung durch ver.di-Kolleg*innen erhalten haben. Auch internationale haben sich Gewerkschaften für uns eingesetzt. Jetzt wurden alle Verfahren eingestellt. Endlich können wir wieder unsere eigentliche Arbeit machen. Ob bei der Arbeitszeitgestaltung, beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement oder Gefährdungsbeurteilungen zu psychischen Belastungen – wir versuchen stets, für unsere Kolleg*innen bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen. Darum geht es schließlich.«

     

    Richard Ulrich

    Richard Ulrich
    © ver.di
    Richard Ulrich

    Der Gesundheits- und Krankenpfleger Richard Ulrich arbeitet auf einer neurologischen Intensivstation am Uniklinikum Frankfurt und war in der Tarif- und Verhandlungskommission zum dort 2022 durchgesetzten Tarifvertrag Entlastung.

    »Pflegekräfte haben Durchsetzungsmacht – wenn sie sich in ver.di zusammentun. Das haben wir und andere Klinikbeschäftigte gezeigt, die sich erfolgreich für Tarifverträge zur Entlastung eingesetzt haben. Natürlich sind daran alle Berufsgruppen beteiligt, aber auch die Pflege spielt eine wichtige Rolle. Wir hatten sieben sehr erfolgreiche Warnstreiktage bis der Arbeitgeber eingelenkt hat. Seither ist er deutlich bemüht, neue Stellen zu besetzen. Künftig gelten feste Personalquoten. Werden diese nicht eingehalten, erhalten die Betroffenen zusätzliche Freizeit. Darauf zu hoffen, dass andere die Probleme für uns lösen, das bringt es nicht. Die Tariferfolge für Entlastung, wie zuletzt auch am Uniklinikum Gießen und Marburg, zeigen: Wir selbst haben es in der Hand.«

     

    Silvia Habekost

    Silvia Habekost
    © shift/studio für ver.di
    Silvia Habekost

    Die Krankenpflegerin Silvia Habekost vom Berliner Krankenhauskonzern Vivantes ist aktiv im Ausschuss Gesundheit und Soziale Dienste des Europäischen Gewerkschaftsverbands für den öffentlichen Dienst (EGöD).

    »Es ist spannend, mit Pflegekräften aus ganz Europa zusammenzukommen und voneinander zu lernen. Die Probleme sind überall ähnlich: Personalmangel, Überlastung und vor allem in der Altenpflege eine unzureichende Bezahlung. Europaweit machen Konzerne hohe Gewinne mit unserer Gesundheit, auf Kosten der Bevölkerung und der Beschäftigten in den Einrichtungen. Dagegen gehen wir an. Wir nehmen auf EU-Ebene Einfluss, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Gesundheit zu schützen. Zum Beispiel mit der Nadelstichrichtlinie, die hilft, Verletzungen zu vermeiden, von denen Pflegekräfte häufig betroffen sind. Das über die internationale Arbeit erlangte Wissen hilft mir auch, die Dinge im Betrieb voranzubringen. Zusammen bewegen wir was.«

     

    Lucy Hektor

    Lucy Hektor
    © privat
    Lucy Hektor

    Lucy Hektor macht eine Ausbildung zur Pflegefachfrau an der Helios-Klinik Erlenbach und ist dort in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) aktiv.

    »Als ich meine Ausbildung angefangen habe, gab es im Klinikum keine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV). Das haben wir in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat geändert. Denn Auszubildende müssen wissen, dass sie echte Arbeitnehmerrechte haben. Ein großes Thema ist die Urlaubsplanung: Bislang legt alleine die Schule fest, wann wir Urlaub haben. Das macht es echt schwierig, mit Freunden wegzufahren. Selbst planbarer Urlaub auch während der Berufsausbildung, wie er auch den examinierten Kolleg*innen zusteht, würde der Vereinbarkeit zwischen Erholung und Arbeit viel gerechter und die Pflegeausbildung attraktiver machen. Deshalb verhandeln wir jetzt über eine Betriebsvereinbarung, die diese und andere Fragen regeln soll. Wichtig ist bei all dem, eine Gewerkschaft im Rücken zu haben. Von ver.di bekommen wir die nötigen Infos. Und auch bei Tarifverhandlungen ist klar: Es geht nur mit einer starken Gewerkschaft.«

     

    Fenia Wolff

    Fenia Wolff
    © privat
    Fenia Wolff

    Die Gesundheits- und Krankenpflegerin Fenia Wolff aus dem Pfalzklinikum arbeitet in der stationären und ambulanten psychiatrischen Pflege. Sie ist Mitglied der ver.di-Bundesfachkommission Psychiatrische Einrichtungen.

    »Psychiatrische Patientinnen und Patienten werden zunehmend ambulant versorgt. Für uns Pflegekräfte geht das mit deutlich mehr Kompetenzen einher. Im ambulanten Einsatz ist man auf sich alleine gestellt. Ob bei Beratung, Therapiemodellen, Krisenmanagement oder der Angehörigen- und Netzwerkarbeit – wir arbeiten hoch flexibel und eigenverantwortlich. Unsere Stimme hat mehr Gewicht, auch gegenüber den Ärztinnen und Ärzten. Das stärkt das Selbstbewusstsein, was wir auch für die Vertretung unserer kollektiven Interessen brauchen. Die hohen Anforderungen und die Verantwortung in der ambulanten psychiatrischen Pflege müssen sich auch in der Bezahlung angemessen widerspiegeln. Das ist eines der Themen, die wir mit der ver.di-Bundesfachkommission Psychiatrische Einrichtungen bewegen. Die Pflege entwickelt sich weiter – und wir gestalten mit.«

     

    Michaela Ramünke

    Michaela Ramünke
    © privat
    Michaela Ramünke

    Die Krankenschwester Michaela Ramünke ist stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Paracelsus-Kliniken und dort auch Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat.

    »Als Betriebsräte und Aufsichtsratsmitglieder versuchen wir, konkrete Verbesserungen im Sinne der Beschäftigten zu erreichen. Zuletzt haben wir uns beispielsweise erfolgreich für Maßnahmen zum Hitzeschutz eingesetzt. Es wurden Rollos angebracht und wenn es heiß ist, stellt der Arbeitgeber Getränke. Ein weiteres Beispiel ist, dass wir über die Einigungsstelle Zuzahlungen für Arbeitsschuhe durchgesetzt haben. Das sind kleine Dinge, die die Arbeitssituation aber ein wenig besser machen. Aktuell erfassen wir die psychischen Belastungen in der Pflege. Diese haben seit der Corona-Pandemie nochmal deutlich zugenommen. Der Arbeitgeber steht in der Pflicht, die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. Darauf pochen wir. Ganz wichtig ist dabei die Unterstützung durch ver.di. Man bekommt viele Tipps und ist bei aktuellen Entwicklungen, zum Beispiel der Krankenhausreform oder der PPR 2.0, immer auf dem neuesten Stand. Das hilft enorm.«

     

    Regina Glockmann

    Regina Glockmann
    © privat
    Regina Glockmann

    Die Gesundheits- und Krankenpflegerin Regina Glockmann ist Personalratsvorsitzende am Uniklinikum Heidelberg.

    »Für mich gehört zu professioneller Pflege nicht nur, Patientinnen und Patienten gut zu versorgen. Teil der Professionalität ist für mich auch, sich für die eigenen Arbeitsbedingungen einzusetzen. Gemeinsam machen wir uns dafür stark, dass nachts nicht mehr allein gearbeitet wird und dass die Schichtbesetzung nicht nur eine ausreichende, sondern eine gute Pflege sicherstellt. Kolleginnen und Kollegen haben bundesweit schon an 25 Kliniken mit ver.di Entlastungstarifverträge erreicht. Wir verschaffen uns Respekt, indem wir zusammenhalten. Ein Einstiegsgehalt von 4.000 Euro nur zu fordern, das bringt nichts, wir müssen es auch durchsetzen können – notfalls mit Streik. Und dafür brauchen wir eine starke ver.di.«

     

     

    Zum Weiterlesen:

    Zum Tag der Pflegenden gibt es auch ein Interview mit Petra Bäumler-Schlackmann vom Uniklinkum Essen mit Fragen zum Stand des Tarifvertrag Entlastung in NRW.  

     

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