Durchbruch in Hessen

ver.di erreicht mit der hessischen Landesregierung eine Vereinbarung für mehr unbefristete Stellen an Hochschulen – ein bundesweites Vorbild?
26.06.2024
12. März in Frankfurt: Hessens Hochschul- beschäftigte streiken für mehr Geld und Entfristung.

Vereinbarung für mehr unbefristete Stellen an Hochschulen

Der Druck für Entfristung an Hochschulen steigt. Seit Jahren machen Unbefristet-Initiativen und Gewerkschaften in Hessen gegen das Unwesen der massenhaften Zeitverträge in der Wissenschaft mobil. In der Tarifrunde im Frühjahr haben sie einen aufsehenerregenden Durchbruch erzielt: ver.di und GEW erreichten eine schuldrechtliche Vereinbarung mit der hessischen Landesregierung, wonach die Zahl der unbefristeten Vollzeitstellen im wissenschaftlichen Mittelbau in den nächsten Jahren um fast 400 steigen soll. 2030 sollen dann rund 40 Prozent der Landesstellen entfristet sein. Zudem werden sachgrundlos befristete Arbeitsverhältnisse in Technik und Verwaltung weitgehend ausgeschlossen.

»Der jahrelange politische Druck, die gute Vorbereitung der Tarifrunde und die hervorragende Beteiligung an Warnstreiks haben sich ausgezahlt«, bilanziert Mathis Heinrich von der Uni Marburg. Im März hatten sich in Hessens Universitätsstädten jeweils hunderte Hochschulbeschäftigte an Warnstreiks und Aktionen beteiligt – so viele wie nie zuvor. Neben mehr Geld war eine ihrer zentralen Forderungen die Begrenzung der Befristungen, die bei wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen über 80 Prozent ausmachen. »Jetzt haben wir einen Fuß in der Tür und nehmen als Gewerkschaft direkten Einfluss«, freut sich Mathis Heinrich von der ver.di-Tarifkommission. »Das ist ein Riesen-Fortschritt gegenüber den unverbindlichen Vereinbarungen, die das Land in der Vergangenheit mit den Hochschulleitungen geschlossen hat und die teilweise einfach nicht umgesetzt wurden.«

Mathis Heinrich, der sich auch in der ver.di-Bundesfachkommission Hochschulen engagiert, sieht die Vereinbarung als bundesweites Vorbild. »Wir machen Druck für eine grundlegende Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Aber wenn sich auf politischer Ebene nichts bewegt, müssen wir als Unibeschäftigte alle Mittel nutzen, um mehr unbefristete Perspektiven durchzusetzen – inklusive Tarifbewegungen.«

 

 
Befristung muss im Rahmen bleiben

Befristung muss im Rahmen bleiben

Mach mit bei unserer Foto-Aktion!

Wir fordern eine echte Reform für unbefristete Perspektiven in der Wissenschaft. Dafür zeigen wir Gesicht.

Fotografiert euch mit Bilderrahmen – allein, im Team, alle zusammen –, um deutlich zu machen: Befristung muss im Rahmen bleiben!

 

 

65.000 gegen Dauerbefristung

Über 65.000 Menschen haben eine Petition für eine wirkliche Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes unterzeichnet. »Das ist eine richtig große Nummer«, betont Sonja Staack von ver.di. Das Bündnis »Stoppt die Dauerbefristung in der Wissenschaft« übergab die Unterschriften am 12. Juni in Berlin an den Vorsitzenden des Bildungsausschusses. »Ziel ist es, dass der Bundestag den Entwurf für eine Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes ändert«, erklärte Staack.

 

Weiterlesen

1/22

Die gesamte Zeitung als PDF zum Download.

Newsletter

Immer auf dem aktuellen Stand: Der Newsletter des Fachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft