Altenpflege

    Durchschnittlich 672 Euro mehr

    Durchschnittlich 672 Euro mehr

    Die Beschäftigten des kommerziellen Pflegeheimbetreibers Vitanas in Bautzen und Riesa haben ihre Chance genutzt und einen Tarifvertrag erreicht, der an den TVöD heranreicht.


    Viele Jahre zahlte der kommerzielle Pflegeheimbetreiber Vitanas in Bautzen und Riesa weit unter Branchenniveau. Am 1. Juli 2022 ist damit Schluss. ver.di hat einen Tarifvertrag erreicht, der den rund 160 Beschäftigten durchschnittlich 672 Euro im Monat mehr beschert. Die Entgelte liegen dann auf oder nur leicht unter dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Grundlage für diesen Erfolg ist, dass sich die Hälfte der Beschäftigten in ver.di organisierte.

    Noch vor fünf Jahren gab es in den zwei sächsischen Pflegeheimen kein einziges ver.di-Mitglied. »Es hat eine ganze Weile gedauert, die Leute von diesem Weg zu überzeugen«, berichtet die Pflegehelferin Petra Mertink aus Bautzen, die sich in der ver.di-Tarifkommission engagiert. Mit viel Beharrlichkeit und etlichen Gesprächen gelang es schließlich, die 50-Prozent- Marke zu erreichen und den Weg für Tarifverhandlungen frei zu machen.

    Die Vitanas-Spitze versuchte zunächst noch, den Betriebsrat zum Abschluss einer Lohnvereinbarung zu bewegen. »Was sie uns angeboten haben, hätte 40, 50 Cent die Stunde mehr gebracht. Das haben wir natürlich abgelehnt«, erklärt Mertink. »Für uns ist ohnehin klar: Lohnverhandlungen sind Sache der Gewerkschaft. Das kann und will der Betriebsrat nicht machen.« Zudem legten Tarifverträge nicht nur die Lohnhöhe fest, sondern regelten auch Urlaub, Arbeitszeiten, Zulagen und vieles mehr. »Es braucht einen Tarifvertrag, um der Willkür von Arbeitgebern Grenzen zu setzen«, betont die Pflegehelferin.

    Während der Verhandlungen machte die Belegschaft klar, dass sie streiken würde, falls sich der Arbeitgeber nicht bewegt. Das war letztlich nicht nötig – auch weil Pflegeheimbetreiber ab dem 1. September eine tarifliche Bezahlung nachweisen müssen. »Wir haben eine tüchtige Gehaltserhöhung erreicht und sind jetzt fast auf TVöD-Niveau – das ist richtig gut«, findet Mertink. Gemessen am Flächentarifvertrag des öffentlichen Dienstes liegen Betreuungskräfte künftig bei 93 Prozent, Pflegehilfskräfte mit und ohne Ausbildung bei 95 bzw. 98 Prozent und Pflegefachkräfte sowie Aushilfen bei 100 Prozent. »Das ist super, aber ausruhen werden wir uns nicht«, stellt Mertink klar. Nach den Lohnerhöhungen sollen im kommenden Jahr mit einem neuen Manteltarifvertrag weitere Verbesserungen durchgesetzt werden.

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