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    "Drastisch gekürzt"

    "Drastisch gekürzt"

    Trotz Protesten sind die Kürzungen an der Universität in Halle beschlossene Sache: Jeder fünfte Studienplatz wird gestrichen, ganze Studiengänge werden abgeschafft. Vor allem kleine Fächer sind betroffen.

    Petition: „Unterschreiben und kleine Fächer retten!“ Aktionsbündnis #MLUnterfinanziert Petition: „Unterschreiben und kleine Fächer retten!“

    Mit einem riesigen T-Rex und bunten Plakaten haben junge Menschen auf dem Universitätsplatz in Halle für den Erhalt ihrer Uni protestiert. Sie haben Flyer verteilt, Transparente gepinselt, Unterschriften gesammelt und offene Briefe geschrieben. Monatelang wehrte sich das Aktionsbündnis #MLUnterfinanziert gegen die Kürzungspläne an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Doch jetzt hat der Senat der Hochschule das Sparpaket mit knapper Mehrheit beschlossen.

    »Die Kürzungen sind eine Katastrophe«, sagt Rainer Herter vom Personalrat. Insgesamt sollen rund 4.000 Studienplätze abgebaut werden. Professuren werden gestrichen, Institute zusammengelegt, ganze Studiengänge abgeschafft. Betroffen sind vor allem kleine Studienfächer wie Altertumswissenschaften, Südasienstudien, Indologie und Orientalistik. Doch gekürzt wird auch in den Natur- und Politikwissenschaften. Die Proteste gegen die chronische Unter finanzierung der Universität hat ver.di im Aktionsbündnis mitorganisiert.

    Olaf Broszeit, bei ver.di in Sachsen-Anhalt zuständig für Bildung, Wissenschaft und Forschung, bezeichnet es als »Dummheit«, die kleinen Studienfächer abzuschaffen. »Sie sind ein Alleinstellungsmerkmal«, betont der Gewerkschafter. »Durch die Kürzungen büßt der Standort viel Attraktivität ein.« Rainer Herter fügt hinzu, dass weniger junge Menschen und Wissenschaftler*innen in die Stadt kämen, wenn jeder fünfte Studienplatz an der Uni wegfällt. »Das kann niemand wollen.«

    Die Universität ist seit der Wende immer wieder von Kürzungen betroffen. Seit 1991, schätzt Rainer Herter, seien bereits locker über 10.000 Voll- und Teilzeitstellen abgebaut worden. Seit Jahrzehnten sei das Budget für die Hochschulen in Sachsen-Anhalt viel zu gering. Der Universität fehlten 15 Millionen Euro pro Jahr im Haushalt, sagt der Personalrat. Das Land signalisiere keinerlei Hilfsbereitschaft. Im Gegenteil. Die Hochschule erhalte Fördermittel des Bundes, die vom Land eins zu eins aufgestockt werden müssten, berichtet Olaf Broszeit. Doch das Land weigere sich. Stattdessen müsse die Universität den Betrag selbst aus ihrem Grundbudget aufbringen. Der Gewerkschaf ter kündigt an, dass die Proteste weitergehen. »Wir werden uns weiter für eine ordentliche Finanzierung der Universitäten stark machen.«

    erschienen im biwifo-Report 01/2022, veröffentlicht/aktualisiert 27. April 2022

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