Unchristliche Diskriminierung

Kommentare zur Petition »Gleiches Recht für kirchlich Beschäftigte« dokumentieren, wie groß die Wut über die Benachteiligung im Arbeitsrecht ist.
22.12.2023

Bereits rund 32.000 Menschen haben die Petition »Gleiches Recht für kirchlich Beschäftigte« unterschrieben. Sie fordern dass die Sonderregeln für Kirchen im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und die gesetzlichen Ausnahmen im Mitbestimmungsrecht gestrichen werden. Wie groß die Wut über die systematische Benachteiligung der Beschäftigten von Kirchen, Diakonie und Caritas ist, zeigt sich auch in hunderten Kommentaren, die Unterzeichnende selbst formuliert haben.

 
Unterzeichne die Petition "Gleiches Recht für kirchlich Beschäftigte"

»Nicht mehr zeitgemäß«, »antiquiert«, »aus der Zeit gefallen«. So machen viele deutlich, dass sich das kirchliche Sonderrecht spätestens jetzt überlebt hat. Ein Kommentar ruft den Kirchen zu: »Willkommen im 21. Jahrhundert!« Dass diese immer noch auf ihrem besonderen Regelungen im Arbeitsrecht bestehen, sehen viele als Schaden nicht nur für Beschäftigte, sondern auch für die Institution Kirche selbst. »Mir ist die katholische Kirche wichtig und deshalb muss sie sich modernen Standards anpassen«, schreibt jemand. Ein/e Kolleg*in aus einem konfessionellen Betrieb empfindet es »alles andere als christlich (…), wie die Kirche mit ihren treuen Arbeitnehmern umgeht«. »Es sollte gleiches Recht für alle gelten! Das wäre fair und christlich.« Ein Kirchenmitglied sieht es ebenso: »Gerade aus christlichen Gründen sollten für alle Beschäftigten die Errungenschaften des Arbeitsrechts gelten.«

Ein anderer Kommentar bezieht sich auf die Bibel: »Orientierung an der Heiligen Schrift: Die Kirche soll ein Ort der Gnade, keine Opferstätte sein! Wir leben in einer säkularen Gesellschaft, in der die Ausübung von Religion nicht zwanghaft ist, sondern vielmehr eine (mir wichtige) Möglichkeit sein kann, die sich aber an Vielfalt orientiert, nicht an Exklusion.« Jemand anderes »stört die Diskrepanz zwischen der christlichen Botschaft, welche Kirchen vertreten, zum Umgang mit deren Arbeitnehmern«. Ein weiterer Kommentar betont: »Alle Menschen sind vor Gott gleich. Die Privilegien der kirchlichen Arbeitgeber bewirken für die Beschäftigten aber genau das Gegenteil.«

 

»Vordemokratische Verhältnisse«

Etliche kritisieren, die kirchlichen Sonderregeln verstießen gegen das Grundgesetz und die Menschenrechte. »Das kirchliche Arbeitsrecht hebelt Grundrechte aus«, heißt es in einem Kommentar, der darauf hinweist, dass sich Beschäftigte im sozialen Bereich in manchen Gegenden nicht aussuchen können, für welchen Träger sie arbeiten: »In vielen Regionen Deutschlands sind Diakonie und Caritas die einzigen Sozialen Träger und sie unterdrücken systematisch die Religionsfreiheit, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Koalitionsfreiheit.« Eine Kollegin aus der Kinder- und Jugendhilfe schreibt: »Für mich ist es mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, dass es keine Gleichbehandlung gibt!« Andere kritisieren »vordemokratische Verhältnisse« in konfessionellen Einrichtungen.

Dabei würden diese, so betonen es einige Kommentator*innen, vor allem aus öffentlichen Mitteln wie Steuern und Sozialbeiträge finanziert. Auch vor diesem Hintergrund dürften Arbeitgeber im Verhältnis zu ihren Beschäftigten »keine Gesinnungs-/Glaubensregeln« aufstellen. Ein/e Klinikbeschäftige*r verweist darauf, dass kirchliche Einrichtungen genauso geleitet werden wie weltliche, weshalb auch hier das Betriebsverfassungsgesetz gelten müsse: »Krankenhaus ist nicht Kirche! Wo nach weltlichen Aspekten geführt wird, muss auch nach weltlichen Aspekten mitbestimmt werden!«

 

Jemand aus der Diakonie berichtet, dass dort viele Kolleg*innen ohne Kirchenmitgliedschaft tätig sind. »Aber wenn ich austreten will, weil ich kein Geld für die katholische Kirche mit ihren schlimmen Taten bezahlen möchte, kann ich gekündigt werden. Das empfinde ich als diskriminierend und Beschneidung meiner Grundrechte.«

»Sollten Kirchen es nicht in all der Zeit besser wissen?«, fragt ein/e Kommentator*in. »Partizipation und Mitbestimmung im Betrieb bedeutet, dass die Menschen, die für die Kirchen arbeiten, ernstgenommen werden. Augenhöhe, statt Entscheidungen von oben. Nur so gelingt es, die Herausforderungen der Zeit zusammen zu lösen. Beschäftigte im Dienst der Menschen sind wertvoll, das sollte jeder Arbeitgeber verstanden haben und danach handeln.«

 

Petition unterstützen

QR-Code zur Petition

Du möchtest die Petition unterstützen? Super: Online geht das hier oder nutze die Unterschriftenliste

Unterschriebene Listen bitte per Post senden an:

ver.di Bundesverwaltung, Ressort 9, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin




 

Weiterlesen

1/12