Tarifrunde öffentlicher Dienst

    Katholische Kita schließt im Streik

    Erstmals streiken Beschäftigte einer katholischen Kindertagesstätte in Frankfurt. Sie lassen sich auch von Drohungen nicht einschüchtern, sondern halten als Team zusammen.
    22.03.2023

     

    »Die Kita ist zu«, verkündet eine Erzieherin, die am Mittwoch (22. März 2023) zusammen mit hunderten Kolleg*innen in der Frankfurter Innenstadt demonstriert. »Alle fünf Gruppen!« Nun sind geschlossene Kitas dieser Tage nichts Ungewöhnliches. Überall im Land werden Einrichtungen vorübergehend geschlossen oder auf Notbetrieb umgestellt, weil sich die Beschäftigten in der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes mit Warnstreiks gegen drohende Reallohnkürzungen wehren. Doch in diesem Fall geht es um eine ganz besondere Einrichtung: die Kita Herz Jesu in Frankfurt-Fechenheim – die erste katholische Kindertagesstätte in Deutschland, deren Beschäftigte ihr Grundrecht auf Streik in Anspruch nehmen.

     
    Erzieherinnen mit Schild: Katholische Kita Herz Jesu
    © Daniel Behruzi
    Selbstbewusst und kämpferisch: Das Team der katholischen Kita Herz Jesu beim Warnstreik in Frankfurt am Main

    Das gegen den aktiven Widerstand der Kirchenleitung, die mit Abmahnungen drohte. Das Team der Kita Herz Jesu blieb standhaft. »Nach vielen Diskussionen haben alle Erzieherinnen gesagt: Wir sind dabei – das war ein wahnsinnig gutes Gefühl«, beschreibt es eine Kollegin. »Dem Druck standzuhalten, war schon eine Herausforderung, aber als Team haben wir das geschafft. Wir halten zusammen, das macht uns mutig.« Dass es überhaupt solchen Mut braucht, findet die Erzieherin ein Unding. Für Kolleginnen und Kollegen anderer Träger seien Streiks selbstverständlich. »Wir haben einen sozialen Beruf. Aber das bedeutet nicht, dass wir uns nicht wehren können.« Sie ist überzeugt: Das Grundrecht auf Streik steht allen zu – auch den Beschäftigten kirchlicher Einrichtungen.

    »Wir gehen für alle katholischen Kitas voran und zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen«, sagt eine pädagogische Fachkraft. Dafür gebe es auch keinen Grund. »Erzieherinnen werden händeringend gesucht. Wenn sie uns entlassen würden, müssten sie die Kita zumachen. Wir können auch überall anderswo etwas finden.« Doch so weit dürfte es nicht kommen. »Die Arbeitsverträge der Kolleginnen nehmen auf den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst Bezug. Daher sind Partizipationsstreiks ganz klar rechtens«, erklärt die ver.di-Sekretärin Astrid Buchheim. »Es ist empörend, dass die Kirche gegenüber ihren Beschäftigten auf Einschüchterung setzt, statt mitzuhelfen, die Bedingungen zu verbessern.«

     

    »Wenn es uns besser geht, hilft das auch den Kindern«

    Es sind vor allem die schlechten Arbeitsbedingungen, die die Beschäftigten auf die Straße treiben. »Wir kämpfen nicht nur für uns, wir kämpfen auch dafür, dass die Kinder eine bessere Betreuung bekommen«, erklärt eine Erzieherin, die seit 14 Jahren im Beruf ist. Denn nur mit einer guten Bezahlung lasse sich neues Personal finden. »Wenn man allein mit 20 Kindern ist, fällt die pädagogische Arbeit hinten runter. Und unsere Gesundheit macht das auch nicht länger mit.« Deshalb gebe es auch von Eltern viel Unterstützung. »Wenn es uns besser geht, hilft das auch den Kindern«, ist eine Kollegin überzeugt.

    »Soziale Arbeit muss gesamtgesellschaftlich mehr Wert sein«, findet eine Kollegin. »Es ist wichtig, dass wir in der sozialen Arbeit unsere Rechte geltend machen – und das tun wir jetzt.« Das Team der Kita Herz Jesu ist sich jedenfalls einig, dass es die Auseinandersetzungen um bessere Arbeitsbedingungen nicht den Kolleg*innen kommunaler Einrichtungen überlassen will. »Es gibt so viele christliche Einrichtungen, die Kirche ist der zweitgrößte Träger. Wenn ihre Beschäftigten auch kämpfen, kann das viel bewirken.«

     

    Daniel Behruzi

    veröffentlicht am 22. März 2023

     

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