Kirchliche Betriebe

    Engagement in kirchlichen Betrieben

    Engagement in kirchlichen Betrieben

    Tarifrunde öffentlicher Dienst - Engagement auch aus kirchlichen Betrieben gefragt
    Kirchen, Diakonie und Caritas: Zusammen geht mehr ver.di/werkzwei Kirchen, Diakonie und Caritas: Zusammen geht mehr


    ver.di geht mit einer zweistelligen Lohnforderung in die Tarifrunde des öffentlichen Dienstes: 10,5 Prozent, mindestens aber 500 Euro monatlich mehr soll es für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen geben. Die Forderung ist ambitioniert angesichts der Preisexplosion aber dringend nötig. Für ihre Durchsetzung werden alle Kräfte gebraucht auch die der Kolleg*innen bei Kirchen, Diakonie und Caritas.

    Manche von ihnen werden direkt, viele andere indirekt vom Tarifergebnis profitieren. Deshalb ist auch ihr Engagement gefragt. »Die Inflationsentwicklung, Lebensmittel- und insbesondere Energiepreise reißen tiefe Löcher in die Haushaltskassen der Beschäftigten«, erklärte der ver.di- Vorsitzende Frank Werneke Mitte Oktober zum Forderungsbeschluss. Viele wüssten nicht, wie sie sich und ihre Familien über Wasser halten könnten. Daher sei klar: »Die Sicherung der Einkommen durch einen Inflationsausgleich, insbesondere für die Beschäftigten mit mittleren und eher niedrigen Einkommen, steht für uns im Zentrum der Tarifrunde.« Werneke verwies zudem darauf, dass die Arbeitsbelastung im öffentlichen Dienst im Zuge der Corona-Pandemie nochmals deutlich gestiegen ist. »Das gilt ganz klar auch für die Beschäftigten in den konfessionellen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen «, betonte Mario Gembus, der bei ver.di für kirchliche Betriebe zuständig ist. »Hier sind die Kolleginnen und Kollegen ebenfalls massiv belastet. Dafür, dass das finanziell anerkannt wird, müssen sie auch selbst etwas tun.« Denn wie sich die Entgelte bei konfessionellen Trägern entwickeln, hänge maßgeblich vom Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) ab, erläuterte der Gewerkschafter. »Wenn ver.di bei Bund und Kommunen etwas herausholt, kommt das auch den Beschäftigten im kirchlichen Bereich zugute.« So übernimmt etwa die Caritas in der Regel die Tarifabschlüsse des öffentlichen Dienstes. In der Diakonie ist die Situation sehr unterschiedlich, doch überall gilt der TVöD als Maßstab. Bei einigen konfessionellen Trägern kommt der Flächentarifvertrag sogar direkt zur Anwendung. Das ist zum Beispiel in weiten Teilen der Diakonie Württemberg der Fall, in der evangelischen Kirche in der Pfalz und in Württemberg sowie in Baden.

    Deshalb traten Beschäftigte mehrerer evangelischer Kitas in Freiburg und Lörrach, in denen der TVöD ebenfalls gilt, im Mai erstmals in einen »Partizipationsstreik«. So haben sie gemeinsam mit vielen tausend Kolleg*innen im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst Maßnahmen zur Entlastung und weitere Schritte zur Aufwertung ihrer Berufe erreicht. »Wir profitieren vom Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, deshalb wollten wir die Streikbewegung im Sozial- und Erziehungsdienst solidarisch unterstützen«, erklärte die Erzieherin Dominique Bevensee seinerzeit.

    Trotz der Behauptung des Arbeitgebers, Kirchenbeschäftigte dürften nicht streiken. »Wir haben uns getraut und es einfach gemacht.« Sie und ihre Kolleg*innen wollen auch diesmal einen Beitrag leisten. »Wir sind es wert – das gilt auch für die kirchlichen Betriebe in Baden«, betonte die Sozialarbeiterin Sabrina Wipprecht aus dem Diakonischen Werk Lörrach. Dass die ver.di-Bundestarifkommission eine zweistellige Lohnforderung mit sozialer Komponente beschlossen hat, findet sie ein gutes Signal. »Um das zu bekommen, müssen wir uns stark einbringen, denn das wird eine harte Auseinandersetzung «, ist sich die aktive Gewerkschafterin und Mitarbeitervertreterin sicher. Jetzt gehe es darum, Kolleginnen und Kollegen zu informieren und einzubinden. Im nächsten Schritt wollen sich die Aktiven in der badischen Diakonie an der »Mehrheitspetition« beteiligen, mit der Belegschaften demonstrieren, dass sie hinter der Gewerkschaftsforderung stehen.

    Auch in anderen kirchlichen Betrieben sind die Beschäftigen aufgefordert, sich an Aktionen zu beteiligen und Solidarität zu zeigen. ver.di bietet ihnen Schulungen an, in denen ihnen das Handwerkszeug für die betriebliche Mobilisierung vermittelt wird. »Zusammen geht mehr das ist das Motto der Tarifbewegung im öffentlichen Dienst«, sagt Mario Gembus. »Und dies gilt trägerübergreifend für das gesamte Gesundheits- und Sozialwesen. Angesichts der dramatischen Preissteigerungen braucht es erheblichen Druck – auch aus kirchlichen Betrieben.«

    Daniel Behruzi

    Forderungsgrafik ver.di Forderungsgrafik (1.080x1.080)


    Dieser Artikel ist im Kirchen.info Nr. 40 erschienen.

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