Engagiert und wirkungsvoll

Maira Unzueta hilft ihren Kolleg*innen, sich selbst stark zu machen
07.11.2023
Maira Unzueta Als Mitarbeitervertreterin und ver.di-Aktive setzt sich die Sozialarbeiterin Maira Unzueta mit ihren Kolleg*innen für gute Arbeitsbedingungen im Luise Scheppler-Heim ein.

Engagiert und wirkungsvoll

Die Sozialarbeiterin Maira Unzueta ist erst vor sechs Monaten in die Gewerkschaft eingetreten. Mit ver.di aktiv ist sie schon etwas länger – seit ihre Mitarbeitervertretung (MAV) vor einem knappen Jahr entschied, beim Beteiligungsprojekt von ver.di und Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen in Baden mitzumachen. Das Projekt unterstützt Mitarbeitervertretungen dabei, die Beschäftigten für bessere Arbeitsbedingungen zu aktivieren. »Betroffene zu Beteiligten machen«, so das Motto.

Maira und ihre Kolleg*innen im Luise-Scheppler-Heim in Heidelberg setzten das vorbildlich um. Sie starteten eine Befragung und machten Druck auf ihren Arbeitgeber – mit messbarem Erfolg: Im stationären Bereich der Jugendhilfeeinrichtung werden sieben neue Stellen besetzt, um die Beschäftigten zu entlasten. »Ohne die Unterstützung von Gesamtausschuss und ver.di in Zusammenarbeit mit unseren Kolleg*innen wäre das nicht möglich gewesen«, ist Maira überzeugt.  »Bei diesen positiven Erfahrungen war es nur konsequent, jetzt auch ver.di-Mitglied zu werden. Im Mai bin ich dann endlich eingetreten.«

Auch wenn Gewerkschaft etwas Neues für sie ist – selbstbewusst für die eigenen Belange eingetreten ist die 53-Jährige schon immer. Geboren in La Paz, Bolivien, blickt sie auf eine bewegte Kindheit und Jugend zurück. Beruflich bedingte Umzüge ihrer Eltern führten Maira in eine Vielzahl von Ländern in Süd- und Nordamerika sowie nach Asien. Immer wieder galt es, sich an ein neues soziales Umfeld zu gewöhnen. Kurz vor dem Irak-Krieg lebte sie mit ihren Eltern in Kuwait. Um Abitur machen zu können, schrieb sie sich 1988 im englischsprachigen Zug der Europäischen Schule in Karlsruhe ein, belegte dort Deutsch als erste Fremdsprache, zudem Französisch und Spanisch. Es folgte ein Studium der Sozialen Arbeit und nach verschiedenen Stationen begann sie schließlich im Lusie-Scheppler-Heim, wo sie Familien mit Kindern im Autismus-Spektrum begleitet. »Da sind wir gut aufgestellt in unserer Einrichtung«, findet Maira, die zwei erwachsene Söhne hat und sich über ihre zwei Enkelkinder freut.

 

Konkrete Verbesserungen erreicht

Dass sie sich in der betrieblichen Interessenvertretung engagieren könnte, hielt Maira lange für ausgeschlossen. »Ich dachte, ich könne nicht für die MAV kandidieren, da ich vor drei Jahren nach langem Überlegen aus der katholischen Kirche ausgetreten bin.« Da viele Jugendhilfeeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft sind, fiel ihr die Entscheidung nicht leicht. Und sie bedeutete, dass sie von einer Mitarbeit in der Interessenvertretung ausgeschlossen war, weil die Diakonie in Baden die Kirchenmitgliedschaft lange zur Voraussetzung machte. Das hat sich mittlerweile geändert.

»Vor der letzten MAV-Wahl wurde ich von einem Kollegen gebeten zu kandidieren. Ich wehrte zunächst ab. Umso mehr habe ich mich gefreut, als er mir sagte, dass es inzwischen möglich ist«, blickt Maira zurück. Vor allem die Erfahrungen in der Corona-Zeit, als viele Beschäftigte zwei Mal auf Drängen der Geschäftsleitung auf die Jahressonderzahlung verzichteten, hätten sie zur Kandidatur bewogen. Denn da hätte sie sich mehr Unterstützung von der MAV gewünscht. Zu ihrer Überraschung erhielt sie bei der Wahl auf Anhieb die meisten Stimmen. Seit der schwangerschaftsbedingten Abwesenheit der bisherigen Vorsitzenden Simone Kuhn hat Maira – nach einem Jahr in der MAV – den Vorsitz übernommen.

Und ihr Engagement und das ihrer Kolleg*innen wirkt: Die sieben Neueinstellungen haben die Belastung im stationären Bereich des Luise-Scheppler-Heims deutlich verringert. Das Team konnte in der Folge zahlreiche aufgelaufene Überstunden abbauen. Bei der Befragung durch die MAV hatten zuvor 40 Prozent der in diesem Bereich der Jugendhilfeeinrichtung tätigen Kolleg*innen »Regelungen zum Personalausfall ohne belastendes Einspringen« als wichtigstes Thema benannt. 83 Prozent betonten, dieses Problem zu lösen, sei sehr dringend. Gestärkt durch das Umfrageergebnis stellten die Beschäftigten einzeln und als Team etliche Gefährdungsanzeigen. Das setzte den Arbeitgeber unter Druck, er stellte sieben neue Kolleg*innen ein. »Mit diesem Erfolg im Rücken wollen wir im Betrieb weitere Verbesserungen angehen«, sagt Maira. Der nächste Schritt: die Gründung einer ver.di-Betriebsgruppe, um gemeinsam stärker zu werden.

Daniel Wenk

 

Dieser Artikel ist im Kirchen.info Nr. 42 erschienen.