Krankenhaus

    »Einmalzahlungen sind nicht nachhaltig«

    »Einmalzahlungen sind nicht nachhaltig«

    Beschäftigte der baden-württembergischen Unikliniken fordern dauerhaft mehr Geld. Dafür beteiligten sich im Oktober 2.500 Kolleg*innen an Warnstreiks, nun folgen weitere Aktionen.
    Warnstreik am Uniklinikum Ulm Ende Oktober ver.di Warnstreik am Uniklinikum Ulm Ende Oktober

    Während sich der öffentliche Dienst auf die Tarifrunde vorbereitet, sind die rund 26.000 Beschäftigten der Unikliniken Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg schon mittendrin. Vor der nächsten Verhandlungsrunde am 1. Dezember ruft ver.di erneut zu Warnstreiks auf. Denn die Arbeitgeber wollen die Beschäftigten vor allem mit Einmalzahlungen abspeisen. »Sie bieten insgesamt 4.200 Euro, das hört sich erstmal gut an«, sagt die Physiotherapeutin Lena Mayr aus der Tübinger Uniklinik, die sich in der ver.di-Verhandlungskommission engagiert. »Einmalzahlungen sind aber nicht nachhaltig. Am Ende stünden wir wieder da, wo wir jetzt sind – und angesichts der Inflation bei deutlich niedrigeren Reallöhnen.«

    Die erste Erhöhung der Entgelttabellen um rund sechs Prozent wollen die Klinikleitungen erst im Juli 2024 zugestehen. »Dann hätten wir seit der letzten Lohnerhöhung insgesamt 41 Monate ohne dauerhafte Erhöhung«, sagt Lena Mayr. Unter den Delegierten der Stationsteams und in der ver.di-Tarifkommission sei die Meinung einhellig: »Das geht gar nicht. Wir haben in der Corona-Krise nicht alles gegeben, um jetzt mit dramatischem Kaufkraftverlust bestraft zu werden.«

    Warnstreik am Uniklinikum Ulm Ende Oktober ver.di Warnstreik am Uniklinikum Ulm Ende Oktober

    Dagegen gehen die Beschäftigten der vier baden-württembergischen Universitätskliniken nun erneut auf die Straße. Ende Oktober hatten bereits mehr als 2.500 Kolleg*innen bis zu drei Tage ihre Arbeit niedergelegt. »Es ist eine tolle Dynamik entstanden«, berichtet die Gewerkschafterin. »Die Leute sind Schlange gestanden, um eine ver.di-Streikweste zu bekommen. Manche kamen mit ausgefüllter Beitrittserklärung zum ver.di-Stand.« Allein in Tübingen unterschrieben im Zuge der ersten Warnstreiks über 140 Beschäftigte einen ver.di-Mitgliedsantrag. Auch an der Uniklinik Ulm ist das Engagement groß. »Es sind eine ganze Reihe junger Kolleginnen und Kollegen aktiv geworden. Die sind super engagiert, das ist echt motivierend«, berichtet die OP-Fachkrankenpflegerin Jana Langer.

    Lena Mayr führt die erfolgreiche Mobilisierung auch auf die frühzeitige und intensive Vorbereitung der Tarifrunde zurück. Die ver.di-Aktiven haben die Teams systematisch angesprochen und viele Gespräche mit einzelnen Kolleg*innen und in den Teams geführt. »Das ist ein Schlüssel für die Mobilisierung. Denn wenn man den Leuten erklärt, worum es geht und dass sie selbst aktiv werden müssen, sind die allermeisten dabei. So erreichen wir was.«

    Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiA)

    Zum Auftakt der Tarifverhandlungen für die baden-württembergischen Unikliniken am 11. Oktober machte eine Berufsgruppe auf ihre besondere Situation aufmerksam: Etwa 50 Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiA) demonstrierten vor dem Verhandlungslokal in Stuttgart für eine Eingruppierung entsprechend ihres Grundberufs als Psycholog*innen. Bislang werden sie bei einer 26-Stunden-Woche mit einem Bruttogehalt von 1.385 Euro abgespeist. Mit der geforderten Eingruppierung würde dieser Betrag auf 2.800 Euro verdoppelt. mehr...


    veröffentlicht/aktualisiert am 21. November 2022

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