Mediclin: in Siebenmeilenstiefeln

Mediclin Bosenberg: In Siebenmeilenstiefeln zum Tarifvertrag
08.11.2023

Als die Gewerkschaftssekretärin Lisa Summkeller im Frühjahr erstmals zur Betriebsversammlung bei den Mediclin Bosenberg Kliniken im saarländischen St. Wendel eingeladen wurde, gab es dort nur 15 ver.di-Mitglieder. Die Beschäftigten wollten wissen, wie sie einen Tarifvertrag bekommen. Denn in der Reha-Einrichtung liegen viele Gehälter um hunderte Euro unter denen des öffentlichen Dienstes. »Ich habe erklärt, dass bestimmte Meilensteine erreicht werden müssen, damit wir durchsetzungsfähig sind«, berichtet Summkeller. »Sobald ein Drittel der 210 Beschäftigten organisiert ist, wird eine Tarifkommission gewählt. Ab der Hälfte fordern wir den Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen auf.«

 
Mediclin Bosenberg: In Siebenmeilenstiefeln zum Tarifvertrag

Diese Meilensteine haben die Aktiven am Bosenberg in Siebenmeilenstiefeln erreicht. Schon nach vier Monaten war die Marke von 70 Mitgliedern genommen, am 1. September waren es 105 – ver.di forderte den Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen auf. Diese sollen am 30. Oktober (nach Redaktionsschluss) starten. Inzwischen sind 127 und damit eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten in ver.di organisiert. »Die Ungerechtigkeit treibt uns an«, sagt die Betriebsratsvorsitzende Jacqueline Heylmann, die sich in der ver.di-Tarifkommission engagiert. »Wenn es in den vergangenen Jahren Lohnerhöhungen gab, dann nach Gutdünken. Besonders diejenigen, die ohnehin wenig verdienen, wurden komplett abgehängt.«

2022 kündigten binnen weniger Wochen 30 Pflegekräfte. »Wenn die Klinik eine Zukunft haben will, muss sie anständig bezahlen. Unser Ziel ist der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst«, stellt die Krankenpflegehelferin klar. »Und wenn der Arbeitgeber das nicht einsieht, haben wir mit der gut organisierten Belegschaft viele Mittel, es ihm beizubringen.«

 

Dieser Artikel ist in der Klinik.Zeitung Nr. 1 erschienen.