Wichtige Arbeit – hohe Belastung

Ergebnisse einer Befragung von Beschäftigten im Rettungsdienst
04.12.2023

Die Beschäftigten im Rettungsdienst leisten professionelle und gesellschaftlich wichtige Arbeit. Sie gewährleisten, dass Patientinnen und Patienten im Notfall schnell und gut versorgt werden. Doch unter den derzeitigen Bedingungen können sie oft nicht so arbeiten, wie sie es gelernt haben und wie es ihren eigenen Ansprüchen entspricht. Daran muss sich dringend etwas ändern, der Handlungsbedarf ist enorm.

Fehlendes Personal führt dazu, dass immer wieder Fahrzeuge und ganze Wachen von der Notfallversorgung abgemeldet werden müssen. Die flächendeckende und qualitativ hochwertige Notfallversorgung steht auf dem Spiel. Der Fachkräftemangel ist hausgemacht: aufgrund der oft miserablen Bedingungen wandern Retter und Retterinnen in andere Berufe ab. Andere müssen vor dem gesetzlichen Rentenalter aus gesundheitlichen Gründen aus dem Beruf aussteigen. Dabei ist der Notfallsanitäter ein begehrter Ausbildungsberuf, doch die Bedingungen müssen stimmen.

 
Broschüre Rettungsdienst: Wichtige Arbeit - Hohe Belastung

Die in dieser Broschüre dokumentierten Ergebnisse der Befragung zum DGB-Index Gute Arbeit belegen eindrücklich, wie dramatisch die Lage ist. Um den Teufelskreis aus schlechten Arbeitsbedingungen, fehlenden Fachkräften und steigender Belastung zu durchbrechen, sind kurzfristig wirksame Maßnahmen erforderlich. Arbeitgeber und Politik stehen in der Verantwortung, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Kürzere Arbeitszeiten, eine bedarfsgerechte Personalausstattung und gute Ausbildung sind der Schlüssel. Dafür macht sich ver.di stark.

 

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

Große Bedeutung, unzureichende Bezahlung

92 Prozent der Beschäftigten im Rettungsdienst sind davon überzeugt, mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. 81 Prozent sind jedoch der Meinung, dafür nicht leistungsgerecht entlohnt zu werden. Die unangemessene Bezahlung wird sich nach Einschätzung der Befragten auch in einer zu niedrigen Rente niederschlagen. Fast die Hälfte geht davon aus, dass diese nicht reichen wird.

Gehetzt und unter Zeitdruck

Im Rettungsdienst besteht ein hoher Arbeitsdruck. 56 Prozent der Beschäftigten fühlen sich bei der Arbeit sehr häufig oder oft gehetzt. Dieses Problem ist dort größer, wo in einer Schicht viele Einsätze gefahren werden müssen. 

Körperliche Schwerarbeit

Die Arbeit im Rettungsdienst ist körperlich sehr belastend. 89 Prozent der Beschäftigten müssen sehr häufig oder oft schwer heben, tragen oder stemmen. Noch mehr berichten davon, dass sie in ungünstiger Körperhaltung arbeiten müssen. Von allen Kriterien im DGB-Index Gute Arbeit werden die körperlichen Anforderungen am schlechtesten bewertet.

Hohe emotionale Anforderungen und Belastungen

Die Arbeit im Rettungsdienst stellt besondere emotionale Anforderungen. Eine Mehrheit von 54 Prozent der Beschäftigten gibt an, ihre Arbeit verlange sehr häufig oder oft, dass sie ihre Gefühle verbergen. 38 Prozent berichten davon, sehr häufig oder oft mit widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert zu werden. 85 Prozent haben im Arbeitszusammenhang bereits respektloses
Verhalten erfahren, bei 98 Prozent kam es zu Konflikten mit Patient*innen, Angehörigen, Umstehenden oder anderen.

Ungünstige Lage der Arbeitszeiten

99 Prozent der Beschäftigten im Rettungsdienst leisten Wochenendarbeit, ebenso viele arbeiten abends und 97 Prozent nachts. Das sind Zeiten, in denen Belastungen besonders stark auf den Menschen wirken. Zudem machen es diese Arbeitszeiten extrem schwer, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren. 

Überlastung verringert die Arbeitsqualität

Bei 69 Prozent der Beschäftigten kommt es vor, dass sie Abstriche an der Qualität ihrer Dienstleistung machen müssen, um ihr Arbeitspensum zu schaffen. Bei jedem bzw. jeder fünften Befragten ist das sogar oft oder sehr häufig der Fall. 

Unsichere Dienstpläne

90 Prozent arbeiten öfter als einmal pro Monat über den Dienstplan hinaus, 44 Prozent mindestens einmal pro Woche oder sogar täglich. Bei 95 Prozent kommt es vor, dass sie an einem freien Tag arbeiten, fast die Hälfte oft oder sehr häufig. Ebenfalls 95 Prozent berichten, dass gesetzlich vorgeschriebene Pausen reduziert werden oder ganz ausfallen. Bei 61 Prozent passiert das oft oder sehr häufig.

Viele halten nicht bis zur Rente durch

Nur elf Prozent der Beschäftigten im Rettungsdienst gehen davon aus, mit ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen wahrscheinlich bis zur Rente durchhalten zu können. Unter den weiblichen Beschäftigten sind es nur fünf Prozent. Ebenfalls erschreckend ist, dass 39 Prozent ihren Beruf aufgeben würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. 30 Prozent würden, wenn sie könnten, den Arbeitgeber wechseln.

 

Die Arbeitsqualität im Rettungsdienst im Gesamtüberblick

Die für die Beschäftigten im Rettungsdienst nach dem DGB-Index Gute Arbeit ermittelten Werte sind alarmierend. Unter sechs der elf Qualitätskriterien werden die Arbeitsbedingungen hier als schlecht bewertet. Gute Werte wurden nur für die Kriterien Sinn der Arbeit und Beschäftigungssicherheit ermittelt. Insgesamt werden die Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst mit 42 Punkten als schlechte Arbeit charakterisiert – mehr als 20 Punkte unter dem Durchschnitt aller Berufe.

 
Broschüre Rettungsdienst: Wichtige Arbeit - Hohe Belastung

Die Befragung

Im Rahmen der bundesweiten Repräsentativbefragung zum DGB-Index Gute Arbeit werden jedes Jahr mehrere tausend zufällig ausgewählte abhängig Beschäftigte mit einem standardisierten Fragebogen zu ihren Arbeitsbedingungen interviewt. Die Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit sind damit repräsentativ. Sie zeigen, wie die Beschäftigten in Deutschland ihre Arbeitsbedingungen
bewerten. 

Diese Broschüre befasst sich mit den Beschäftigungsbedingungen im Rettungsdienst. Dafür haben wir den Fragebogen des DGB-Index Gute Arbeit eingesetzt, ergänzt um wichtige rettungsdienstspezifische Themen. Die Befragung im Rettungsdienst wurde zwischen dem 11. Februar, dem Europäischen Tag des Notrufs, und dem 31. März 2022 durchgeführt. Es haben rund 7.000 Beschäftigte über alle Träger und Tarifbereiche sowie Qualifikationen hinweg teilgenommen. Die große Resonanz zeigt das Bedürfnis der Beschäftigten, sich zu ihren Arbeitsbedingungen zu äußern und diese zu verbessern.