»Einfach anfangen«

Bei der Asklepios Objektbetreuung in Hamburg haben in drei Monaten 60 Beschäftigte den ver.di-Mitgliedsantrag unterschrieben. Ihr Ziel: Tarifvertrag.
13.11.2023

Achteinhalb Jahre ohne jede Lohnerhöhungen: Keinen Cent mehr haben die Beschäftigten der Asklepios Objektbetreuung Hamburg seit ihrer Ausgliederung aus dem Krankenhauskonzern 2015 erhalten. Die Neueingestellten verdienen nicht mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Die Patiententransporteure Knud Danger und Kai Grabowski wollen das nicht länger hinnehmen. Sie haben eine ver.di-Betriebsgruppe gegründet und sprechen ihre Kolleg*innen systematisch darauf an, sich für einen Tarifvertrag zu organisieren. Bisher waren nur 20 Beschäftigte ver.di-Mitglied. Doch das könnte sich schnell ändern. In nur drei Monaten haben über 60 weitere den Mitgliedsantrag unterschrieben. »Wir haben das Eintrittsdatum offengelassen. Sobald die Mehrheit der 290 Kollegen mitmacht, geben wir die Anträge ab«, erklärt Kai Grabowski. »Und ganz klar: Das schaffen wir.«

 
Knud Danger (links) und Kai Grabowski (rechts) sind fest entschlossen, einen Tarifvertrag durchzusetzen.

Dass sie bislang nur wenige Aktive sind, schreckt Knud Danger und Kai Grabowski, die schon über 30 Jahre im Betrieb sind, nicht ab. »Irgendwann muss man anfangen. Denn so geht es nicht weiter«, sagt Grabowski. »Die Leute transportieren jeden Tag schwerstkranke, infektiöse oder verstorbene Patienten, im Sechs-Schicht-Betrieb. Das ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional anstrengend. Und das für 12,70 Euro pro Stunde! Kein Wunder, dass viele lieber zu Lidl oder sonstwo hingehen.« Die Löhne im Patiententransport, aber auch im Wachdienst und an den Infoschaltern der Hamburger Asklepios-Kliniken zu erhöhen, sei daher nicht nur für die Beschäftigten wichtig, sondern auch für eine gute Versorgung.

Niemand könne mit 1.400 Euro netto im Monat eine Familie ernähren – schon gar nicht in einer teuren Stadt wie Hamburg, erklärt Knud Danger. Trotz des Schichtbetriebs müssten viele noch einen zweiten oder dritten Job machen, um über die Runden zu kommen. »Das kann nicht der Betriebsrat ändern. Wir brauchen einen Tarifvertrag, und dafür brauchen wir ver.di«, sagt der Betriebsratsvorsitzende. »Ohne kommen wir nicht weiter, das erklären wir den Leuten. Und das kommt an.«