»Wir haben unser Ziel erreicht«

21.12.2022

Erst holten sie die Servicetochter zurück, jetzt werden auch die Reinigungskräfte einer externen Firma wieder bei den kommunalen Mühlenkreiskliniken angestellt.

Kurz vor Weihnachten gibt es gute Neuigkeiten bei den kommunalen Mühlenkreiskliniken: Alle Reinigungskräfte sollen künftig beim Krankenhaus angestellt werden. »Wir haben unser Ziel erreicht«, sagt Personalrätin Kerstin Wehling. »Die ausgliederten Leistungen werden zurückgeholt. « Der Kreistag des Kreises Minden Lübbecke entschied überraschend, dass die Reinigung nach Ablauf der Vertragslaufzeit Ende 2023 nicht mehr an eine Fremdfirma vergeben wird. Alle Kolleginnen und Kollegen sollen ein Angebot für eine Beschäftigung im Konzern erhalten. »Ich bin so glücklich, es endlich geschafft zu haben«, sagt die Gewerkschafterin. Damit gilt für alle Reinigungskräfte: gleiche Arbeit, gleiches Geld.

 
Die Beschäftigten der Servicegesellschaft in Aktion

Die Kliniken hatten die Servicebereiche vor fast 20 Jahren ausgliederten. Damals war die Empörung in der Belegschaft groß. Die Kolleg*innen ließen nicht entmutigen und wählten bereits nach kurzer Zeit mit Unterstützung des Personalrates und der Gewerkschaft einen Betriebsrat. Im ersten Schritt wehrten sie die Tarifflucht ab. Die Beschäftigten setzten durch, dass die Service-GmbH im Arbeitgeberverband blieb und die Kolleginnen und Kollegen in der Tochtergesellschaft weiterhin nach dem TVöD bezahlt werden. »Unsere große Stärke war, dass wir immer zusammengehalten haben: Mutter- und Tochtergesellschaft«, berichtet die Personalrätin, die bis zur Wiedereingliederung 2019 Betriebsratsvorsitzende der Service-GmbH war. »Immer wieder standen wir in geschlossenen Reihen draußen.« Wenn die Pflegekräfte für mehr Personal demonstrierten, standen die Kolleginnen und Kollegen aus der Küche, der Reinigung und dem Handwerk an ihrer Seite. »Wir sind ein Betrieb«, betont Kerstin Wehling.

Die Mühlenkreiskliniken sind ein Zusammenschluss von Krankenhäusern und gehören dem Kreis Minden-Lübbecke. Deshalb machten die Beschäftigten vor allem Druck auf die Politik. Sie malten Plakate mit der Aufschrift: »Nicht ohne meine Tochter« – und marschierten auf jeder Verwaltungsratssitzung auf. An Nikolaus verteilten sie Plätzchen, Kerstin Wehling als Engel verkleidet. »Wir haben die Politiker so lange auf diesen hausgemachten Missstand hingewiesen, bis es ihnen gereicht hat«, so die Personalrätin. Die Servicegesellschaft wurde 2019 aufgelöst.

»Seither konnten wir viele Verbesserungen für die Kolleginnen und Kollegen durchsetzen«, sagt Kerstin Wehling. »Wir haben ganz andere Möglichkeiten.« So wurde die niedrigste Entgeltgruppe für den Spüldienst abgeschafft. Für Beschäftigte in der Zentralküche und anderen Abteilungen konnte eine höhere Eingruppierung erzielt werden. Und die Reinigungskräfte wurden in kleineren Teams organisiert, wodurch sich die Kommunikation und das Betriebsklima verbesserte haben. Damit wurde für Kolleginnen eine Aufstiegschance mit einer besseren Vergütung geschaffen. »Wir bewirken an vielen kleinen Stellen etwas«, betont die Gewerkschafterin. »Das zieht sich wie ein roter Faden durch.«

Allerdings galt das nicht für alle Reinigungskräfte in den Mühlenkreiskliniken: Der Klinikkonzern vergab bisher die Reinigung zu einem erheblichen Teil weiterhin an eine externe Firma. Deshalb kämpften die Kolleg*innen weiter hartnäckig dafür, wirklich alle Beschäftigten ins Klinikum zurückzuholen. »Wir wurden nicht müde zu fordern: gleiche Arbeit, gleiches Geld«, sagt Kerstin Wehling. Immer wieder nahmen sie die Politiker*innen in die Verantwortung – und führten ihnen vor Augen, dass Frauen durch politisches Handeln in Armut gehalten werden. »Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass es möglich ist«, berichtet die Personalrätin. »Das hat uns Mut gemacht – und am Ende haben wir es wieder geschafft!«

veröffentlicht/aktualisiert am 21. Dezember 2022

 

Weiterlesen

1/12