Sozial- und Erziehungsdienst

    Klare Ansage

    Klare Ansage

    130 Teilnehmer*innen der Kasseler Konferenz zum Sozial- und Erziehungsdienst sagen NEIN. Nein zu schlechten Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel und De-Professionalisierung.

    Gesundheit Soziale Dienste Bildung und WIssenschaft, Sozial- und Erziehungsdienst, Soziale Arbeit, Behindertenhilfe, Kasseler Konferenz shift/studio für ver.di Teilnehmer*innen der Kasseler Konferenz 2022

    Die Lage in der Sozialen Arbeit ist ernst. So ernst, dass es für die Beschäftigen zunehmend schwierig wird, fachlich angemessen zu arbeiten. Das unterstrich der Erfahrungsaustausch der rund 130 Teilnehmer*innen der Kasseler Konferenz am 4. und 5. November 2022. Zum 16. Mal kamen Beschäftigte der Sozialen Arbeit aus Kindertageseinrichtungen, Jugendämtern, Schulen, der Behindertenhilfe, Hilfen zur Erziehung und anderen Arbeitsfeldern in Nordhessen zusammen. Sie berieten über notwendige Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel und der De-Professionalisierung in ihren Arbeitsfeldern zu begegnen. Statt der Aufwertung der Sozialen Arbeit müssen in vielen Bereichen Abwehrkämpfe geführt werden, um nicht noch tiefer in eine Abwertungsspirale zu gelangen. Das darf nicht so weitergehen, lautet die eindeutige Botschaft aus Kassel. Die Delegierten zeigten sich entschlossen, gemeinsam in und mit ihrer Gewerkschaft ver.di – der Gewerkschaft für die Soziale Arbeit – für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Aufwertung zu kämpfen. Die Bundesvorstandsmitglieder Christine Behle und Sylvia Bühler sicherten den Teilnehmer*innen der Kasseler Konferenz ihre volle Unterstützung zu.

    Eindeutige Botschaft aus Kassel

    Das Ergebnis reger inhaltlicher Diskussionen, intensiven Austausches in themenspezifischen Arbeitsgruppen und kurzen Impuls-Vorträgen zur aktuellen Arbeitssituation in den einzelnen Arbeitsfeldern ist die einstimmig verabschiedete Kasseler Erklärung. “Wir alle machen unseren Beruf gerne, aber wir brauchen gute, nicht gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen“, äußerte ein Teilnehmer der Konferenz. Und so sagen sie gemeinsam NEIN. Nein zu Fachkräftemangel und De-Professionalisierung. Nein zur institutionellen Gefährdung ihrer Adressat*innen1. Nein zu Kontrolle statt Hilfe, Ruhigstellung statt Beteiligung und Verwahrung statt Bildung. „Wir alle stehen derzeit personell mit dem Rücken an der Wand, egal bei welchem Träger“, fasste eine Teilnehmerin die Situation in den Einrichtungen zusammen. Qualitativ gute Soziale Arbeit zu leisten, sei aber nur mit ausreichend Fachkräften möglich. Sie und ihre Kolleg*innen befänden sich konstant im Dilemma, ihre eigenen Ansprüche an gute Arbeit nicht mehr erfüllen zu können.

    Und so fordern die Teilnehmer*innen der Kasseler Konferenz die Stabilisierung ihrer Arbeitsfelder, um nach fachlichen Standards arbeiten zu können. Dazu gehört für sie ein Stufenplan von Bund und Ländern, der die personellen Bedarfe der Arbeitsfelder, deren notwendigen Ausbau einerseits und die Ausbildung des Personals andererseits miteinander in Einklang bringt. Des Weiteren machen sie sich stark gegen die Versuche von Politik und Trägern, ausgebildete Fachkräfte durch An- und Ungelernte zu ersetzen. Kolleg*innen aus der Persönlichen Assistenz weisen aber auch darauf hin, dass schon heute viele Beschäftigte ohne einschlägige Ausbildung in dem Bereich arbeiten. Auch für diese Beschäftigte braucht es dringend Perspektiven.

    Gesundheit Soziale Dienste Bildung und WIssenschaft, Sozial- und Erziehungsdienst, Soziale Arbeit, Behindertenhilfe, Kasseler Konferenz shift/studio für ver.di Kasseler Konferenz 2022

    Nach der Tarifrunde ist vor der Tarifrunde

    Wie wichtig die Beteiligung der Beschäftigten für ein gutes Tarifergebnis und fortlaufende Aufwertung sei, habe die dieses Jahr beendete Tarifrunde für den kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst gezeigt, betonte Sylvia Bühler. „Ohne Euch gäbe es diese Aufwertungsrunde nicht“, so die Gewerkschafterin zu den Kasseler Delegierten. Zuvor hatte der ver.di-Tarifexperte Oliver Bandosz das Tarifergebnis SuE im Einzelnen vorgestellt. Mit im Gepäck hatte er zahlreiche praxisorientierte Erläuterungen und einen Bericht über das „vollkommen inakzeptable“ Verhalten der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Die Arbeitgeber verschleppen die Unterschrift des endgültigen Tarifvertrags seit Mai 2022.

    Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit dem komplexen Tarifabschluss, die sowohl im Plenum als auch in einzelnen Workshops erfolgte, wertete Oliver Bandosz das Tarifergebnis als Erfolg. Dem stimmte Sylvia Bühler zu. Sie richtete den Blick auf 2023 und stimmte die Kolleg*innen auf die anstehende Tarif- und Besoldungsrunde für den Öffentlichen Dienst in Bund und Kommunen ein: „Lasst uns mit Selbstbewusstsein in die Betriebe gehen und den Beschäftigten sagen: Wir können noch mehr holen.“

     

    Gemeinsam Stärke zeigen

    Dass die Forderung von 10,5 Prozent mehr Geld für alle, mindestens aber 500 Euro in der anstehenden Tarifrunde absolut berechtigt sei, betonte auch Christine Behle. „Die Beschäftigten der Sozialen Arbeit haben das Land in den Jahren der Pandemie am Laufen gehalten“, sagte die Gewerkschafterin. Deswegen brauche der Öffentliche Dienst und insbesondere die Soziale Arbeit jetzt überproportionale Verbesserungen im Vergleich zu anderen Branchen, so Behle weiter. Sonst drohe im Wettbewerb mit der freien Wirtschaft ein weiterer Fachkräfteverlust.

    Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage, erwartet die stellvertretende ver.di-Vorsitzende einen harten Konflikt. Die Mobilisierung für die Tarifrunde, die Ende Januar 2023 startet, läuft deswegen bereits auf Hochtouren. Der ver.di-Stärketest soll in dieser historisch außergewöhnlichen Tarifrunde Mehrheiten sichtbar machen. Mit Onlineveranstaltungen zum Erfahrungsaustausch, Kampagnen-Kick-Offs, persönlicher Ansprache und Informationsvermittlung über Tarifbotschafter*innen in den Betrieben werden die Beschäftigten aktiv in die Tarifrunde einbezogen. Und auch die Planung für die Phase der Verhandlungen steht schon.

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    Am Internationalen Frauentag, dem 8. März 2023, ist ein besonderer Aktionstag für den Sozial- und Erziehungsdienst geplant. Neben den kommunalen sind auch einige freigemeinnützige Einrichtungen an den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVÖD) gebunden. Für ver.di stellt der TVÖD ohnehin die Leitwährung für alle Träger in der Sozialen Arbeit dar. Ziel ist es, das Niveau dieses Flächentarifvertrags in allen Einrichtungen zu erreichen. Daher will ver.di am 8. März 2023 die Beschäftigten der Sozialen Arbeit trägerübergreifend mobilisieren, um gemeinsam für gute Arbeitsbedingungen und eine Anhebung der Gehälter einzutreten.

    Sichtbar bleiben!

    Die Sichtbarkeit der Sozialen Arbeit in der Gesellschaft und bei Arbeitgebern ist wichtiger denn je. Präsent sein und sich beteiligen, dazu forderte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle die Beschäftigten der Sozialen Arbeit in der anstehenden Tarifrunde auf. „Gemeinsam haben wir die Chance unsere Forderung in dieser schwierigen Zeit durchzubringen“, zeigte sie sich optimistisch.

    1Kinder; Jugendliche; Familien; Menschen, welche unter den Bedingungen von Behinderung leben, Menschen in prekären Lebensverhältnissen und Krisensituationen; ....

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