drei.80

    Alltägliche Triage

    Ganz vorn

    Alltägliche Triage

    Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.68, Michael Quetting, ver.di Michael Quetting

    Immer wieder wird im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie über Triage gesprochen. Man müsse das verhindern. In Talkshows machen sich mehr oder weniger Berufene so ihre Gedanken, wie die Ärztinnen und Ärzte damit umgehen sollen. Ethisch schwierig sei das. Wenn es nur unzureichende Ressourcen gibt, dann muss man »sortieren und eine Auswahl treffen«, dies bedeutet das Wort.

    Wie ist es eigentlich mit den anderen Bereichen, wo die Personalnot ebenfalls himmelschreiend ist? Welche Auswahl trifft man da? Da geht es nicht überall ums Überleben, aber wir hätten ja doch gerne bestens pädagogisch geförderte Kinder, wenn wir sie aus der Kita abholen.

    Aber bleiben wir doch bei Leben und Tod. Wie steht es denn mit der Pflege? Zu welchem Patienten gehe ich, welcher Patient kann noch auf die Schmerzmedikation verzichten? Erst Blutdruck messen oder erst den Nachbarn vom Kot befreien? Was tue ich anderen an, wenn ich diesen Patienten beim Sterben nicht alleine lasse? Welche Klingel überhöre ich?
    Wir sind viel zu wenige, so mögen wir nicht arbeiten. Und wir wissen: Zu wenig Personal bedeutet mehr Tote. Mehr Personal durch festgelegte Personalschlüssel dagegen bedeutet bessere Behandlungsergebnisse, weniger Tote und auch weniger Kosten. Das stellte eine wissenschaftliche Studie aus den USA und Australien kürzlich fest.

    Pflegepersonen wenden schon seit Jahren ein irgendwie geartetes Triage-System an. Zu wenig Personal zwingt uns ständig zu entscheiden, welche pflegerische Handlung wir nicht vornehmen. Vornehm wird von »Priorisierung« gesprochen, was aber im Kern doch nur bedeutet, schlechte Pflege nicht so schlecht werden zu lassen, dass wer stirbt. Dazu hat der Gesetzgeber auch noch eine Bewegungsform erfunden: Man nennt das Personaluntergrenzen.

    Was sagen denn da der Ethikrat und das Bundesverfassungsgericht? Wann wird der Gesetzgeber endlich aktiv? Man muss doch nur unsere Forderungen Wirklichkeit werden lassen.
    Wir jedenfalls handeln ethisch und moralisch korrekt, wenn wir weiter für Entlastung kämpfen. Wie aktuell zum Beispiel unsere Kolleginnen und Kollegen der sechs Unikliniken in NRW, meint mit bestem Gewissen

    euer Michael Quetting

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