Nicht abhängen lassen!

08.11.2023

Los geht’s mit den Tarifverhandlungen für die rund 1,2 Millionen Landesbeschäftigten (außer Hessen). Diese wollen sich von der Einkommensentwicklung im restlichen öffentlichen Dienst nicht abhängen lassen. Die ver.di-Bundestarifkommission hat deshalb dieselbe Forderung beschlossen, für die im Frühjahr hunderttausende Beschäftigte von Bund und Kommunen auf die Straße gegangen sind: 10,5 Prozent, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Dafür gilt es, gemeinsam Druck zu machen. Denn zusammen geht mehr!

 
Sarah Meurer studiert Medizintechnische Wissenschaften an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Südwürttemberg. Sie ist stellvertretendes Mitglied der Bundestarifkommission von ver.di.

»Auch für Auszubildende und dual Studierende steht in dieser Tarifrunde das Geld im Vordergrund. Wir alle spüren die Inflation. Wir erlernen wichtige Berufe, die dringend gebraucht werden. Dabei müssen wir unseren Lebensunterhalt bestreiten können, ohne auf Unterstützung der Eltern angewiesen zu sein. Auch brauchen wir eine unbefristete Übernahmegarantie, um eine sichere Zukunft zu haben. Ganz klar ist: Das bekommen wir nicht geschenkt. Auszubildende und dual Studierende müssen sich selbst einbringen und zu einem guten Tarifabschluss beitragen. Es geht um unsere Zukunft.«





 
Isabel Friedrichs ist OP-Pflegerin an der Medizinischen Hochschule Hannover.

»Ich habe an mir selbst festgestellt, dass ich über die Arbeitsbedingungen maule, aber nichts dagegen unternehme. Das möchte ich nicht mehr. Wenn wir wollen, dass der Wert unserer Arbeit anerkannt wird, müssen wir uns zeigen und die Stimme erheben. Die Inflation entwertet unsere Gehälter, das ist gerade für die niedrigen Lohngruppen ein Riesenproblem. Deshalb fordern wir mehr Geld. Doch es geht noch um etwas anderes: Wir wollen den solidarischen Zusammenhalt und unsere Durchsetzungskraft entwickeln. Wenn wir stark genug sind, startet nach den Lohnverhandlungen bei uns an der MHH die Bewegung für Entlastung. Das motiviert viele. Die Streikbereitschaft ist hoch, etliche sind schon ver.di-Mitglied geworden. Wir jammern nicht mehr, jetzt tun wir was.«

 
Richard Ulrich ist Gesundheits- und Krankenpfleger am Uniklinikum Frankfurt und Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst.

»Mit der Forderung nach 10,5 Prozent, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat haben wir uns an der Tarifforderung bei Bund und Kommunen orientiert. Das ist ein klares Signal: Die Landesbeschäftigten wollen von der Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst nicht abgekoppelt werden. Hier im Rhein-Main-Gebiet spüren wir schon jetzt, dass in kommunalen Einrichtungen besser bezahlt wird. Wenn die Länder genug Arbeitskräfte gewinnen und halten wollen, müssen sie die Löhne deutlich erhöhen. Klar ist aber wohl: Von alleine machen sie das nicht. In den Kommunen haben 500.000 Warnstreikende die Arbeitgeber zu Zugeständnissen bewegt. Das müssen auch wir schaffen. Keiner macht es für uns.«

 

Wir fordern

  • 10,5 Prozent, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat

  • 200 Euro monatlich mehr für Nachwuchskräfte

  • Laufzeit zwölf Monate

  • Unbefristete Übernahme der Auszubildenden

 

Wir erwarten

  • Für den Gesundheitsdienst in den Zentren für Psychiatrie (ZfP) Baden-Württemberg: Tarifierung der bisher nur außertariflich gezahlten Zulage

  • Für die ambulante und stationäre Pflege im Justiz-und Maßregelvollzug sowie in den Landeskranken-häusern: dynamische Zulage für Pflegekräfte, wie an den Unikliniken

  • Für den Sozial-und Erziehungsdienst: Übernahme der Verbesserungen aus dem Tarifabschluss mit den Kommunen im Jahr 2022

  • Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TVStud)

  • Für die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin: Zulage von 300 Euro (Nachwuchskräfte 150 Euro)

  • Zeit- und inhaltsgleiche Übertragung auf die 1,3 Millionen Beamt*innen

 


»Unser Ziel in dieser Tarifbewegung ist klar: Wir müssen die Lücke zur Bezahlung bei Bund und Kommunen schließen. Schon jetzt wandern die Leute ab. Das müssen wir stoppen. Daran sollten auch die Arbeitgeber ein Interesse haben.«

Susanne Reimer-Jahr, Krankenschwester am Uniklinikum des Saarlandes

 

»Die Inflation macht besonders den unteren Lohngruppen schwer zu schaffen. Deshalb ist unsere Forderung nach dem Mindestbetrag von 500 Euro im Monat so wichtig. Um sie durchzusetzen, bauen wir jetzt Stärke auf.«

Peter Sztatelman, Erzieher an der Uniklinik Köln

 

»Ob an Unikliniken, Hochschulen oder anderen Landeseinrichtungen –  wir haben überall dieselben Probleme. Wir alle brauchen dringend mehr Geld. Das erreichen wir nur gemeinsam.«

Julia Schmidt, Verwaltungsangestellte an der Ruhr-Uni Bochum

 
Besonders die Bundesländer profitieren von steigenden Steuereinnahmen. Sie können sich höhere Löhne durchaus leisten.

Dieser Artikel ist in der Klinik.Zeitung Nr. 1 erschienen.

 

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