Tausende beim Uni-Protest

Mit Aktionen und Warnstreiks machen Beschäftigte an über 100 Hochschulen und Studierendenwerken Druck für mehr Geld und gegen prekäre Beschäftigung.
20.11.2023
Protest von Hochschulbeschäftigten an der Uni Oldenburg

Die Hochschulbeschäftigten zeigen im laufenden Tarifkonflikt der Länder Flagge – und das mit Masse. Beschäftigte und Studierende beteiligten sich in fast 80 Städten an Protesten. An über 80 Hochschulen und Studierendenwerken kam es zu Arbeitsniederlegungen, um den Forderungen nach mehr Geld und einem Tarifvertrag für studentische Beschäftigte Nachdruck zu verleihen. Nach bisherigen Schätzungen beteiligten sich fast 14 Tausend Beschäftigte und Studierende an den Streiks und Kundgebungen. »Gute Lehre und Forschung passen nicht mit prekärer Beschäftigung zusammen«, betonte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler in einer Pressemitteilung. »Deshalb demonstrieren beim Campusstreiktag alle Beschäftigtengruppen gemeinsam für mehr Geld und gute Arbeit.«

 

So auch in Erlangen. Seit Jahren habe es hier an den Hochschulen keine so große Tarifaktion gegeben, freut sich Harald Forstner, der im Technischen Dienst der Friedrich-Alexander-Universität arbeitet. Mehr als 400 Beschäftigte der Universität, aber auch des Studierendenwerks und anderer Bildungseinrichtungen zogen gemeinsam durch die Stadt. Mit dabei waren auch Kolleginnen der Kitas im Studierendenwerk, die neben Lohnerhöhungen auch die Übernahme der Verbesserungen für den Sozial- und Erziehungsdienst aus dem kommunalen Tarifvertrag TVöD fordern.

 

Eine der großen Mensen musste wegen der Arbeitsniederlegung zeitweise schließen. »Dieser Warnstreik ist ein richtig guter Erfolg und die nötige Antwort auf die Äußerungen der Arbeitgeber«, findet Harald Forstner, der sich in der ver.di-Betriebsgruppe und im Personalrat der Uni Erlangen engagiert. Der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), hatte bei den Verhandlungen erklärt, die Angestellten könnten ja Wohngeld beantragen, wenn das Einkommen nicht reicht. »Das ist eine Ohrfeige und zeigt die fehlende Wertschätzung für uns Beschäftigte«, so Forstner.

 

Bibliotheken, Kitas, Mensen – alle sind dabei

Allein in den Uni-Städten Baden-Württembergs gingen insgesamt über 1.000 Menschen auf die Straße, aufgerufen von einem breiten Bündnis aus Gewerkschaften, Studierendenvertretungen und hochschulpolitischen Gruppen. In Berlin kamen 1.400 Beschäftigte zur Streikkundgebung, in Potsdam beteiligten sich 400 aus ganz Brandenburg am Protest. In Hessen nahmen zusammen rund 500 an Aktionen in der Mittagspause teil. Da das Bundesland als einziges nicht der TdL angehört, sondern separat verhandelt, konnte ver.di hier noch nicht zu Warnstreiks aufrufen. »Wir laufen uns aber schon mal warm«, hieß es beispielsweise in Darmstadt, wo 150 Beschäftigte und Studierende protestierten.

 
Kundgebung an der Uni Leipzig

In Leipzig waren auch viele Angestellte der Universitätsbibliothek dabei. »Die Leute kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, von der Medienausgabe über die IT, Verwaltung, Poststelle bis hin zum Bereich Digitalisierung«, berichtet Caroline Bergter. »Die Bibliotheken sind als forschungsunterstützende Einrichtungen entscheidend für eine funktionierende Universität. Und die Universitäten sind von hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Das muss mehr anerkannt werden – auch finanziell.« Wie alle anderen spüre auch sie die finanziellen Einschnitte durch sinkende Reallöhne. »Noch viel mehr geht es mir aber um die unteren Lohngruppen, die unter enormem Druck stehen«, betont die Bibliotheksangestellte. »Sie müssen von ihrer Bezahlung leben können. Das ist auch eine Frage der Wertschätzung für ihre Arbeit.«

Entsprechend groß war die Streikbeteiligung im Studierendenwerk, wo viele Kolleginnen niedrig eingruppiert sind. Zwei Mensen und die Cafeteria am Hauptcampus mussten wegen des Warnstreiks schließen. Insgesamt machten in Leipzig mehr als 300 Beschäftigte mit, darunter etliche studentische Hilfskräfte und Tutor*innen. »Wir leisten essenzielle Arbeit, ob in der Lehre, der IT, der Bibliothek oder anderswo«, erklärt Marc Schwerhoff, der als studentischer Beschäftigter im IT-Support tätig ist. »Und dafür bekommen wir Mindestlohn, mit Bachelorabschluss sind es auch nur 75 Cents mehr. Viele Arbeitsverträge laufen nicht mal ein volles Semester und wenn Geld fehlt, werden uns die Stunden gekürzt – das sind unhaltbare Zustände, mit denen wir uns nicht länger abfinden.« Dass die Arbeitgeber den Tarifvertrag für studentische Beschäftigte, kurz TVStud, bislang rundweg ablehnen, findet Marc Schwerhoff »enttäuschend und unverschämt«.

 
Protest an der Uni Hamburg

Auch die studentische Hilfskraft an der Uni Hamburg, Hannes Lundius, hebt hervor, dass Hilfskräfte und Tutor*innen wertvolle Arbeit für den Lehr- und Forschungsbetrieb leisten. »Mindestlöhne und Kettenbefristungen schaffen keine gute Wissenschaft, erst recht keine Perspektiven. Wir brauchen endlich einen Tarifvertrag, höhere Löhne und Mitbestimmung.« Dafür und für einen guten Tarifabschluss wollen die Hochschulbeschäftigten überall im Land weiter Druck machen – damit sich die Arbeitgeber in der nächsten Verhandlungsgrunde am 7. Dezember endlich bewegen.

 

Weiterlesen

1/12

Kontakt

Mitgliederberatung

In allen Fragen, die Ihre Mitgliedschaft, eine Rechtsauskunft oder Tarifverträge betreffen, wenden Sie sich bitte an den für Sie zuständigen Bezirk. Diesen finden sie hier.

Allgemeine Fragen oder Anmerkungen zu ver.di beantwortet "ver.di Direkt" unter: 0800 83 73 43 3. Die Kolleginnen und Kollegen sind Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr und an Samstagen von 9 bis 16 Uhr für Sie da.