Ein deutliches Zeichen setzen

21.03.2024

Claudia A., 48 Jahre, ist Krippen-Erzieherin bei den „Elbkindern“. Die Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten gGmbh ist ein öffentliches Unternehmen der Stadt Hamburg. Claudia kümmert sich dort um die Kleinsten, die Kinder von 0 bis 3 Jahren, und ist seit Mai 2022 teilweise freigestellte Betriebsrätin. Außerdem engagiert sie sich in der ver.di-Fachkommission Kita.

 
Claudia A.

„Die Arbeitsbedingungen in den Kitas müssen sich dringend verbessern. Es fehlt überall an qualifiziertem Personal. Da ist zum einen die Politik gefragt, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen und zum anderen ist auch unser Arbeitgeber verpflichtet, für Abhilfe zu sorgen, wenn wir ihm gefährliche Belastungen melden.

Viele meiner Kolleg*innen sind schlicht und einfach ausgebrannt. Ich glaube allerdings, dass unser Arbeitgeber das Gefühl für die Basis verloren hat und nicht weiß, was der Personalmangel für uns Beschäftigte wirklich bedeutet. Die Arbeitsbelastung ist riesig. Letztens habe ich als Betriebsrätin eine unserer Kitas besucht und einen Kollegen angetroffen, der für 50 Kinder im Außenbereich allein verantwortlich war. Das ist unheimlich viel Verantwortung und eine absolut grenzüberschreitende Situation.

 

Absoluter Notstand

Diesem Kollegen habe ich empfohlen, sofort eine Überlast-Anzeige zu schreiben und diese auch von der Kita-Leitung unterzeichnen zu lassen. Überlast-Anzeige, so wird das bei uns im Betrieb genannt. Der Name gefällt mir gar nicht, denn er legt nahe, dass sich der oder die Kollegin überlastet FÜHLT. Tatsächlich aber geht es ja um Situationen, in denen Beschäftige Gefahr laufen, ihren arbeitsvertraglichen Pflichten nicht mehr nachkommen zu können. Mit den entsprechenden Folgen.

Seit März 2023 empfehlen wir unseren Kolleg*innen deshalb nur noch die Notstandsanzeige, die ver.di im Rahmen der Kampagne SOS Kita entwickelt hat (Anm.: alternativer Begriff für Gefährdungsanzeige bei den Elbkindern). Den Vordruck können alle Beschäftigten aus unserem Intranet ausdrucken, vieles muss nur noch angekreuzt werden. Das ist super niedrigschwellig und auch der Name ist wesentlich passender. Schließlich befinden sich die Kolleg*innen häufig in Notsituationen, in denen aufgrund von Personalmangel keine pädagogische Arbeit mehr geleistet werden kann, sondern nur noch die Aufbewahrung von Kindern. Und manchmal gibt es sogar Situationen, in denen die Kolleg*innen noch nicht mal die Aufsichtspflicht gewährleisten können.

 

Missstände sichtbar machen

Für die Unterstützung von ver.di bin ich deshalb sehr dankbar. Denn mit dem Vordruck der Notstandsanzeige können die Kolleg*innen sehr viel schneller und unkomplizierter auf gefährliche Situationen hinweisen. Indem sie dem Arbeitgeber mithilfe der Notstandsanzeige ein deutliches Feedback geben, machen sie die Missstände sichtbar. Davor kann der Arbeitgeber nicht dauerhaft die Augen verschließen. Und genau deshalb mache ich auch immer wieder Werbung für die Notstandsanzeige. Je mehr Kolleginnen und Kollegen, dieses Instrument nutzen, desto mehr Handlungsdruck bauen wir beim Arbeitgeber auf.“

 

Kontakt

  • Dietmar Erdmeier

    Be­rufs­ge­nos­sen­schaft Ge­sund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge (BGW), Ar­beits- und Ge­sund­heits­schutz

    030/6956-1815

  • Heiko Piekorz

    Psych­ia­trie, Ser­vice­be­trie­be

    030 6956 - 1842