Guter Arbeits- und Gesundschutz

18.01.2024

Fenia W., 32 Jahre, ist Gesundheits- und Krankenpflegerin in einem kommunalen Klinikum. Dort arbeitet sie auf einer geschützten Station für Menschen mit Intelligenzminderung. Mit dem Beginn ihrer Ausbildung engagierte Fenia sich direkt in der JAV (Jugend- und Auszubildendenvertretung). 2017 wurde sie dann in den Personalrat gewählt. Inzwischen ist Fenia die stellvertretende Vorsitzende des Gremiums und teilweise freigestellt.

 
Fenia Wolff

„Durch die Arbeit im Personalrat habe ich gemerkt, wie wichtig Gefährdungsanzeigen sind. Vor allem für die rechtliche Absicherung der Beschäftigten. Deshalb empfehle ich meinen Kolleg*innen inzwischen ganz klar, eine Gefährdungsanzeige zu schreiben, wenn sie brenzlige Situationen im Arbeitsalltag erlebt haben, die sich z.B. durch die Unterbesetzung der Station ergeben haben. Dabei ist es natürlich wichtig, die formellen Abläufe einzuhalten.

Mit Rat und Tat

Bei uns in der Klinik gibt es ein Schaubild mit der notwendigen Ablaufkaskade um eine Gefährdung zu melden, das nicht gerade einfach zu lesen ist. Aber dafür gibt es den Personalrat. Wir beschäftigen uns ja schon lange mit der Thematik und beraten die Kolleg*innen, wie sie ihre Gefährdungsanzeige am Besten schreiben. Wir schauen auf die Formulierungen, damit diese rechtlich so gut wie wasserdicht sind und sorgen dafür, dass das Dokument an die richtigen Stellen geschickt wird. Als Personalrat ist unsere wichtigste Aufgabe der Schutz der Kolleg*innen. Mit der Gefährdungsanzeige steht uns ein rechtliches Instrument zur Verfügung, das uns dabei unterstützt.

Sobald eine Gefährdungsanzeige gestellt wird, suchen wir als Interessenvertretung ein offenes Gespräch mit den direkten Vorgesetzten, wie z.B. der Pflegedienstleitung. Dabei erklären wir, dass eine Gefährdungsanzeige kein persönlicher Angriff auf die Führungskraft ist. Vielmehr wollen die Kolleg*innen sich mit der Gefährdungsanzeige rechtlich schützen, wenn sie beispielsweise in unterbesetzen Diensten arbeiten. Und das dürfen sie auch. Das ist eine ganz wichtige Botschaft an alle Beschäftigten, die Angst haben, eine Meldung über gefährliche Arbeitsbedingungen zu machen. Alle Beschäftigten haben das Recht übermäßige Belastungen zu melden.

Hemmschwellen abbauen

Aus den Rückmeldungen meiner Kolleg*innen weiß ich, dass viele nicht nur arbeitsrechtliche Konsequenzen befürchten, wenn sie eine Gefährdungsanzeige stellen. Sie scheuen auch die persönliche Nachbesprechung mit dem oder der Vorgesetzten, die auf eine solche Meldung folgt. Deshalb empfehlen wir den Beschäftigten immer, eine Gefährdung gemeinsam mit mehreren Kolleg*innen zu melden, die in der betreffenden Schicht gearbeitet haben. Je mehr Kolleg*innen mit ihrem Namen unterschreiben, desto mehr Schlagkraft hat die Gefährdungsanzeige und das Gefühl allein zu stehen, kommt gar nicht erst auf. Als Personalrätin begleite ich solche Nachbesprechungen natürlich auch, wenn das gewünscht ist. 

 

Zu der Angst, dass eine Gefährdungsanzeige negative Auswirkungen für die Beschäftigten hat, kann ich nur sagen: Das Schlechteste, was passieren kann, ist dass die Meldung ohne Wirkung verpufft. Im Besten Fall aber ändert sich etwas an den belastenden Strukturen.

Deshalb ist die Gefährdungsanzeige auch ein wichtiges Instrument, Belastungen zu melden für die im Arbeitsalltag gemeinsam mit der Pflegedienstleitung kurzfristig individuelle aber oft auch grenzwertige Lösungen gefunden wurden. Wer also mit Springern oder Leasingkräften gerade so durch die Schicht kommt, aber keine Pausen machen kann, gibt mit der Gefährdungsanzeige die Verantwortung für eventuelle Versäumnisse ab, die ihm oder ihr aufgrund von Zeitnot unterlaufen können.

Information ist alles

Wie im gesamten Gesundheitsbereich steigt auch in unserem Klinikum die Arbeitsbelastung leider stetig an. Somit kommt es auch häufiger zu Situationen, in denen wir unseren Kolleg*innen empfehlen, die Gefährdungen zu melden, die aus Personalmangel, Zeitnot und Stress für die Beschäftigten und die Patient*innen entstehen können.

Um so wichtiger ist es, dass der Personalrat bei diesem Thema gut aufgestellt ist. Ich kann da zum einen auf die Erfahrung meiner Personalrats-Kolleg*innen zurückgreifen, lese mich aber auch immer wieder aktuell in das Thema ein. Außerdem haben wir als Gremium auch mehrere Rechtsseminare besucht, in dem wir das Instrument Gefährdungsanzeige tiefer besprochen haben.“

 

Kontakt

  • Dietmar Erdmeier

    Be­rufs­ge­nos­sen­schaft Ge­sund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge (BGW), Li­ve-In-Be­treu­ung

    030/6956-1815

  • Heiko Piekorz

    Psych­ia­trie, Ser­vice­be­trie­be

    030 6956 - 1842