Reform der Pflegeausbildung

Ja zur integrierten Ausbildung

22.12.2015
Ja zur integrierten Ausbildung

"Nach Abschluss einer der drei Berufsausbildungen, die jetzt der „Generalistik“ geopfert werden sollen, sieht sich der Berufsanfänger mit einer Vielzahl von Fachdisziplinen konfrontiert, zwischen denen er wählen kann oder muss. Schon jetzt beginnt die „Ausbildung nach der Ausbildung“.

Die Generalisten haben nicht mehr die speziellen fundierten Kenntnisse einer Altenpflegerin, einer Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin oder Gesundheits- und Krankenpflegerin. Damit sind sie nur bedingt berufsfähig und müssen sich unter Umständen weiterbilden.

Immer spezielleren beruflichen Anforderungen kann man nicht mit einer breiten und undifferenzierten Ausbildung begegnen. Eine gemeinsame bis zu zweijährige Grundausbildung mit anschließender mindestens  einjähriger Spezialisierung in den drei Abschlüssen ist eine angemessene Lösung. Eine integrierte Ausbildung ist der Garant für die qualitative Pflege und Betreuung"

(Eberhard Bruch, freigestellter BR-Vorsitzender, Lehrer für Pflegeberufe, Intensivpfleger)

Die Bundesregierung will die Ausbildungen in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege und Altenpflege zusammenführen. Künftig soll es nur noch einen einheitlichen Abschluss und eine Berufsbezeichnung geben. Da die derzeitige Ausbildungsdauer von drei Jahren (bei Teilzeitausbildung bis zu fünf Jahre) unverändert beibehalten werden soll, wird die neue Ausbildung zwangsläufig breit angelegt. Wird die neue, einheitliche Ausbildung aber zu breit angelegt, steht die Berufsfähigkeit nach Abschluss der Ausbildung auf dem Spiel und zusätzliche Fort- oder Weiterbildungen werden benötigt. Entsprechende Konzepte – auch zur Freistellung und Finanzierung hierfür – liegen jedoch nicht vor. Breite statt Tiefe, aus unserer Sicht nicht die richtige Antwort.

Es ist unseres Erachtens durchaus sinnvoll, die bisher getrennten Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und Altenpflege näher zusammenzuführen. Da in den verschiedenen Versorgungsbereichen auch künftig spezifische Qualifikationen benötigt werden, bedarf es aber zugleich einer entsprechenden Spezialisierung. Für alle drei Abschlüsse können diese spezifischen Kenntnisse nicht gleichwertig in einer dreijährigen Ausbildung erworben werden.

ver.di macht sich aus diesen Gründen für die Einführung einer integrierten Ausbildung stark: Nach einem gemeinsamen Start von ein bis zwei Jahren erfolgt eine Schwerpunktsetzung in allgemeiner Pflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege. Die unterschiedlichen Berufsabschlüsse machen kenntlich, für welchen Bereich die Spezialisierung erfolgt ist.

 
Rolf in der Stroth, Altenpfleger

"Durch die generalistische Ausbildung werden in den jeweiligen Pflegeberufen elementare Grundkenntnisse nur noch angerissen und nicht mehr in der notwendigen Tiefe vermittelt. Das bedeutet einen Verlust an Professionalität. In der Altenpflege kann die Integration der gerontologischen Inhalte aufgrund fehlender Zeitressourcen nicht oder nur teilweise vermittelt werden. Dadurch geht notwendiges Fachwissen verloren. Eine generalistisch ausgebildete Pflegekraft kann nach ihrem Abschluss in keinem Bereich die erforderliche Verantwortung übernehmen. Um die Verantwortung zu übernehmen, die heute schon den Fachkräften abverlangt wird, muss erst noch eine Aufbauausbildung oder Fortbildung absolviert werden. Ein solches Modell lehne ich ab."

(Rolf in der Stroth, Altenpfleger)

 
Witold Konermann, Altenpfleger

„Eine generalistische Ausbildung wird die Personalnot und damit die Qualitätsmangel in den Pflegeheimen verstärken, eine breit angelegte Ausbildung auf Vermittlung von essentiellen Kenntnissen und Erfahrungen im Umgang mit pflegebedürftigen und dementiell veränderten Menschen verzichten müssen.

Eine Aufwertung des Berufs geht vor allem mit einem bundeseinheitlichen und verpflichtenden Personalbemessungsverfahren, das den wirklichen Personalbedarf abdeckt und mit einem allgemeinverbindlichen tariflichen Einkommen von mindestens 3000 Euro. Nur damit lässt sich vermeiden, dass der Wettbewerb der Anbieter auf dem Rücken des Personals und damit auch auf dem Rücken der Pflegebedürftigen ausgetragen wird. Die Generalistik wird also keine der versprochenen Verbesserungen einlösen. Vermutlich wird eher das Gegenteil eintreten.“

(Witold Konermann, Altenpfleger)

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