Studium

    BAföG: Klotzen statt Kleckern

    BAföG: Klotzen statt Kleckern

    "Tempo hoch": Kleine Gesetzesnovellen bringen leichte Verbesserungen beim BAföG, doch die Strukturreform lässt auf sich warten. ver.di fordert schnelles Handeln.

    BAföG-Reform jetzt BAföG-Reform jetzt  –

    Kleckerweise reformiert das Bundesbildungsministerium das BAföG. "Aber von einer richtigen Strukturreform kann noch keine Rede sein", sagt Isabella Rogner, bei ver.di zuständig für Studierende. "Dabei ist ein solcher Schritt längst überfällig." Stattdessen setze die Bundesregierung in kleinen Schritten leichte Verbesserungen durch. "Das ist ja schön und gut", betont die Gewerkschafterin. "Aber das Tempo muss dringend hoch!" Viel zu lange halte man sich mit einzelnen Gesetzesnovellen auf, die letztlich keine großen Effekte zeigten.

    Isabella Rogner fürchtet, dass das Bildungsministerium die längst überfällige Strukturreform auf die lange Bank schiebt. Sollte eine Reform des BAföG tatsächlich – wie angekündigt – an eine Reform der Kindergrundsicherung geknüpft werden, hieße dies: Bis 2025 tut sich nicht mehr viel. "Viele der jetzigen Studierenden sind bis dahin schon fertig mit dem Studium", kritisiert die Gewerkschafterin. Gemeinsam mit dem DGB fordert ver.di einen Vollzuschuss, der zum Leben reicht und unabhängig vom Einkommen der Eltern gewährt wird.

    Die Gewerkschafterin begrüßt, dass die Bedarfssätze und Wohnkostenzuschüsse etwas steigen. Insgesamt ist ein Plus von 5,75 Prozent geplant. "Aber leider ist die Erhöhung viel zu gering", sagt sie. "Die Inflation frisst sofort alles wieder auf." Aktuell steigen die Verbraucherpreise um 7,6 Prozent, so dass unterm Strich trotzdem weniger Geld übrig bleibt.

    Auch die Erhöhung der Altersgrenze und der Freibeträge um 20 Prozent wertet die ver.di-Sekretärin als positiv. Allerdings bezweifelt sie, dass dadurch mehr Studierende tatsächlich BAföG beziehen werden. Potenziell hätten zwar mehr junge Menschen darauf einen Anspruch, sagt Isabella Rogner. "Aber es ändert nichts am hohen bürokratischen Aufwand und der Angst vor Schulden." Viele würden deshalb die Förderung lieber gar nicht erst beantragen. Derzeit erhalten lediglich elf Prozent der Studierenden noch BAföG – ein historischer Tiefstand. 

    veröffentlicht/aktualisiert am 15. Juli 2022

    Was beim BAföG bislang beschlossen ist

    • Bedarfsätze steigen um insgesamt 5,75 Prozent

    • Erhöhung der Elternfreibeträge um 20 Prozent

    • Anhebung der Altersgrenze auf 45 Jahre

    • Kinderbetreuungszuschlag steigt um 5 Prozent

    • Wohnzuschlag steigt um 11 Prozent auf 360 Euro

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